Kurzantwort
Feste Lerntypen wie „visuell“, „auditiv“ oder „haptisch“ gibt es nach heutigem Forschungsstand nicht: Wer nach seinem vermeintlichen Lerntyp lernt, lernt nicht besser. Belegt ist dagegen, dass Wort und Bild zusammen allen beim Lernen helfen.
Woher die Lerntypen kommen
Im deutschsprachigen Raum geht die Idee der Lerntypen vor allem auf den Biochemiker Frederic Vester zurück. In seinem Buch „Denken, Lernen, Vergessen“ aus den Siebzigerjahren unterschied er vier Typen. International verbreitet sind ähnliche Modelle, etwa VARK mit den Gruppen visuell, auditiv, lesen und schreiben sowie kinästhetisch.
| Lerntyp nach Vester | Angenommen wird: lernt am besten … |
|---|---|
| visuell | durch Sehen, mit Bildern und Schaubildern |
| auditiv | durch Hören und Sprechen |
| haptisch | durch Anfassen und Ausprobieren |
| kognitiv | durch Nachdenken und Erklären |
Was die Forschung zu Lerntypen sagt
Eine viel beachtete Übersichtsarbeit der US-Psychologen Pashler, McDaniel, Rohrer und Bjork hat geprüft, ob Unterricht besser wirkt, wenn er zum Lerntyp passt. Ihr Ergebnis: Es gibt keine ausreichende Grundlage, Lerntyp-Tests im Unterricht einzusetzen. In einem Versuch mit Erwachsenen verstanden diejenigen, deren Lernstil-Test „Zuhören“ ergab, einen Text nicht besser, wenn sie ihn hörten statt lasen. Eine weitere Studie fand, dass der Lerntyp beeinflusst, wie man sein Lernen einschätzt, aber nicht, wie viel man behält.
Deutsche Bildungsforschende ordnen Lerntypen deshalb als Mythos ein, etwa das Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen und das Zentrum für Wissenschaftsdidaktik der Ruhr-Universität Bochum. Trotzdem ist die Idee unter Lehrkräften verbreitet: In einer Auswertung internationaler Befragungen stimmten im Schnitt rund 89 Prozent zu, dass Unterricht zum Lerntyp passen sollte.
Was ein Lerntyp-Test misst
Ein Lerntyp-Test fragt ab, wie man am liebsten lernt, etwa ob man lieber liest oder zuhört. Er misst also Vorlieben, nicht den Lernerfolg. Eine Vorliebe darf ein Kind haben, sie sagt aber nicht voraus, womit es sich Stoff besser merkt.
Was statt Lerntypen beim Lernen hilft
Belegt ist, dass Menschen aus Wort und Bild zusammen besser lernen als aus Wörtern allein, und zwar alle, nicht nur ein bestimmter Typ. Welche Darstellung passt, hängt vom Stoff ab: Eine Landkarte erschließt sich über das Auge, die Aussprache einer Fremdsprache über das Ohr. Unabhängig davon wirken das Abfragen und das verteilte Wiederholen; mehr dazu unter Lerntechniken und Lernmethoden.
Was das für Eltern heißt
Ein Etikett wie „mein Kind ist ein visueller Lerntyp“ kann die Erwartungen verzerren: In einer Studie hielten Eltern und Kinder Schüler, die visuell lernen, für intelligenter als solche, die lieber praktisch lernen. Besser ist es, wenn Kinder verschiedene Wege ausprobieren: zeichnen, laut erklären, sich abfragen lassen. Eine Mindmap oder Sketchnotes verbinden Wort und Bild.
Häufige Fragen
Welcher Lerntyp bin ich?
Nach heutigem Forschungsstand lässt sich niemand verlässlich einem Lerntyp zuordnen. Ein Test zeigt höchstens, wie man am liebsten lernt.
Sind Lerntypen wissenschaftlich belegt?
Nein. Studien finden keinen Vorteil, wenn Unterricht oder Lernen auf einen Lerntyp ausgerichtet wird.
Was hilft statt Lerntypen beim Lernen?
Wort und Bild verbinden, sich selbst abfragen und den Stoff verteilt über mehrere Tage wiederholen.
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Wann du dich beraten lassen solltest
- Dein Kind tut sich beim Lernen dauerhaft schwer: zuerst die Lehrkraft oder die Beratungslehrkraft der Schule, danach die schulpsychologische Beratung des Landes.
Quellen
- FachgesellschaftDer Lerntypen-Mythos und seine Folgen · Deutsches Schulportal, Robert Bosch Stiftung · Stand 3.3.2025
- FachgesellschaftFaktencheck deckt Bildungsmythen auf: Lerntypen gibt es nicht · Universität Tübingen, LEAD Graduate School & Research Network · Stand 8.12.2025
- FachgesellschaftLerntypen sind ein moderner Mythos · Ruhr-Universität Bochum, Zentrum für Wissenschaftsdidaktik · Stand 2.6.2026
- FachgesellschaftLerntypen: Warum es sie nicht gibt und sie sich trotzdem halten · Ausgabe 3 · Daumiller, Wisniewski, In-Mind Magazin · abgerufen 2.10.2026
- FachgesellschaftLearning Styles: Concepts and Evidence · Bd. 9, Heft 3 · Pashler, McDaniel, Rohrer, Bjork, Psychological Science in the Public Interest · abgerufen 2.10.2026
- FachgesellschaftMatching learning style to instructional method: Effects on comprehension · Bd. 107, Heft 1 · Rogowsky, Calhoun, Tallal, Journal of Educational Psychology · abgerufen 2.10.2026
- FachgesellschaftLearning style, judgements of learning, and learning of verbal and visual information · Bd. 108, Heft 3 · Knoll, Otani, Skeel, Van Horn, British Journal of Psychology · abgerufen 2.10.2026
- FachgesellschaftHow Common Is Belief in the Learning Styles Neuromyth, and Does It Matter? A Pragmatic Systematic Review · Bd. 5 · Newton, Salvi, Frontiers in Education · abgerufen 2.10.2026
- FachgesellschaftBeware the myth: learning styles affect parents’, children’s, and teachers’ thinking about children’s academic potential · Bd. 8 · Sun, Norton, Nancekivell, npj Science of Learning · abgerufen 2.10.2026