Lernmethoden: Pomodoro, Loci-Methode, Lernkartei und Lernplan

Kurzantwort

Vier verbreitete Lernmethoden: Die Pomodoro-Technik teilt die Lernzeit in Einheiten von 25 Minuten mit kurzen Pausen, die Loci-Methode legt Stoff gedanklich an Orten eines bekannten Wegs ab, die Lernkartei nach Leitner fragt Karten in wachsenden Abständen ab, und ein Lernplan verteilt den Stoff auf mehrere Tage. Am besten belegt sind die Prinzipien hinter Lernkartei und Lernplan: abfragen und verteilt wiederholen.

Die Lernmethoden im Vergleich

LernmethodeWofürWas belegt ist
Pomodoro-Technikkonzentriert anfangen, Pausen einhaltenfeste Pausen: bessere Stimmung, gleiche Arbeit in kürzerer Zeit (Studie mit Studierenden)
Loci-MethodeListen und Reihenfolgen merkenmittlerer Effekt, fast nur mit Erwachsenen untersucht
Lernkartei nach LeitnerVokabeln, Begriffe, Faktenberuht auf Abfragen und verteiltem Wiederholen, beides gut belegt
LernplanPrüfungen, große Stoffmengenverteiltes Lernen gut belegt

Welche Lernmethode passt, hängt vom Stoff und vom Ziel ab. Die Methoden lassen sich kombinieren, etwa ein Lernplan mit Lerneinheiten nach Pomodoro, in denen die Lernkartei abgefragt wird. Einen Überblick, welche Lerntechniken in Studien am besten abschneiden, gibt die Seite Lerntechniken.

Pomodoro-Technik

Die Pomodoro-Technik stammt von dem Italiener Francesco Cirillo, der sie nach eigener Angabe Ende der Achtzigerjahre als Student entwickelte. Der Name kommt von seiner Küchenuhr in Tomatenform, italienisch pomodoro. Gelernt wird in festen Einheiten mit Pausen dazwischen; eine Einheit gilt als unteilbar und beginnt nach einer Unterbrechung von vorn.

PhaseDauer
Lerneinheit (ein „Pomodoro“)25 Minuten
kurze Pause nach jeder Einheit3 bis 5 Minuten
lange Pause nach vier Einheiten15 bis 30 Minuten
Nach der Beschreibung von Francesco Cirillo.

Eine Studie der Universität Maastricht mit 87 Studierenden verglich feste Pausen ähnlich dem Pomodoro-Muster mit selbst gewählten Pausen. Mit festen Pausen war die Stimmung besser, und die Teilnehmenden schafften dieselbe Arbeit in kürzerer Zeit; wer seine Pausen selbst wählte, war müder und abgelenkter.

Für Schulkinder empfiehlt die Staatliche Schulberatung in Bayern, mit kurzen Einheiten zu beginnen und die Dauer je nach Kind schrittweise zu steigern. Bei Lerneinheiten von etwa 15 Minuten sind zwei bis höchstens fünf Minuten Pause meist passend. Ein Timer hilft, die Phasen einzuhalten.

Loci-Methode

Die Loci-Methode (lateinisch locus, Ort), auch Gedächtnispalast genannt, ist eine der ältesten Merktechniken. Der römische Redner Cicero erzählt, der griechische Dichter Simonides habe nach dem Einsturz eines Festsaals die Toten erkannt, weil er sich erinnerte, wo jeder Gast gesessen hatte. Daraus entstand die Regel, Bilder des Lernstoffs an festen Orten abzulegen.

1. Einen bekannten Weg wählen

Geeignet ist ein Weg, den man gut kennt, zum Beispiel durch die eigene Wohnung oder der Schulweg.

2. Feste Stationen festlegen

Auf dem Weg werden Stationen in fester Reihenfolge bestimmt, etwa Haustür, Garderobe, Küchentisch und Sofa.

3. Bilder ablegen

Jeder Begriff, der gelernt werden soll, wird in ein Bild übersetzt und an einer Station abgelegt, ein Begriff je Station.

4. Den Weg abgehen

Beim Erinnern geht man den Weg in Gedanken ab und sammelt die Bilder in der richtigen Reihenfolge wieder ein.

Eine Metaanalyse aus 13 Studien fand für die Loci-Methode einen mittleren Effekt; die Teilnehmenden waren meist Studierende, und die Autoren sehen ein hohes Risiko für Verzerrungen. In einer Studie mit ungeübten Erwachsenen merkten sich die Teilnehmenden nach 40 Trainingseinheiten von je 30 Minuten im Schnitt 62 statt 26 von 72 Wörtern. Bei Kindern ist die Methode kaum untersucht. Gedacht ist sie für Listen und Reihenfolgen, nicht dafür, Zusammenhänge zu verstehen.

Lernkartei nach Leitner

Die Lernkartei geht auf Sebastian Leitner und sein Buch „So lernt man lernen“ zurück. Auf jede Karteikarte kommt vorne eine Frage oder ein Wort, hinten die Antwort. Der Karteikasten hat meist fünf Fächer, und die Karten wandern je nach Antwort vor oder zurück.

1. Karten schreiben

Neue Karten kommen in das erste Fach.

2. Das erste Fach täglich abfragen

Wer die Antwort weiß, legt die Karte ins nächste Fach.

3. Falsche Antworten zurück an den Anfang

Eine falsch beantwortete Karte wandert zurück ins erste Fach, egal aus welchem Fach sie kommt.

4. Hintere Fächer seltener abfragen

Die hinteren Fächer kommen seltener dran. So wird der Stoff in immer längeren Abständen wiederholt; was im letzten Fach noch sitzt, gilt als gelernt.

Für den Karteikasten selbst gibt es kaum eigene Studien. Er verbindet aber die zwei am besten belegten Lerntechniken, Abfragen und verteiltes Wiederholen. In einem Versuch von Roediger und Karpicke behielten Studierende einen Text nach einer Woche besser, wenn sie ihn aus dem Gedächtnis abgerufen hatten, statt ihn erneut zu lesen; nach fünf Minuten lag das Wiederlesen noch vorn. In der Schule kommen Wörterkarteien schon in der Grundschule vor, etwa beim Rechtschreiben; Niedersachsen nennt die Vokabelkartei für den Englischunterricht der Klassen 5 und 6.

Lernplan erstellen

Ein Lernplan verteilt den Stoff bis zur Prüfung auf mehrere Tage. Die Staatliche Schulberatung in Bayern beschreibt dafür diese Schritte:

1. Zeit und Stoff überblicken

Wie viele Tage bleiben bis zur Prüfung? Welche Mitschriften und Aufgaben gehören dazu, und sind sie vollständig?

2. Wichtiges festlegen

Was kann das Kind schon, was muss es noch üben? Bei Unklarheiten hilft die Lehrkraft.

3. Auf mehrere Tage verteilen

Mehrere kurze Lerneinheiten wirken besser als ein langer Abend vor der Prüfung. Je weiter die Prüfung entfernt ist, desto größer dürfen die Abstände zwischen den Wiederholungen sein; das zeigt eine große Studie zum verteilten Lernen mit über 1.350 Teilnehmenden.

4. Lernen und Wiederholen abwechseln

Neuer Stoff und Wiederholung wechseln sich ab. Ähnliche Inhalte wie Vokabeln aus zwei Fremdsprachen besser nicht direkt hintereinander lernen, sonst kommt es leicht zu Verwechslungen.

5. Am Ende abfragen

Zum Schluss prüft sich das Kind selbst oder lässt sich abfragen, am besten durcheinander statt in der Reihenfolge des Hefts.

Jüngere Kinder brauchen beim Planen Hilfe. Die Schulberatung sieht Eltern dabei als „Organisationsberater“ und den Plan als Hilfsmittel, nicht als Kontrollinstrument.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Pomodoro?

25 Minuten, danach folgt eine kurze Pause von drei bis fünf Minuten. Nach vier Einheiten kommt eine längere Pause von 15 bis 30 Minuten.

Wie viele Fächer hat eine Lernkartei?

Meist fünf. Richtig beantwortete Karten wandern ein Fach weiter, falsch beantwortete zurück ins erste Fach.

Funktioniert die Loci-Methode bei Kindern?

Das ist kaum untersucht. Die Studien zur Loci-Methode wurden fast alle mit Erwachsenen gemacht.

Welche Lernmethode ist die beste?

Am besten belegt sind Abfragen und verteiltes Wiederholen. Lernkartei und Lernplan setzen beides um.

Mehr zu Lerntechniken

Wann du dich beraten lassen solltest

  • Dein Kind tut sich trotz Lernplan und Übung dauerhaft schwer: zuerst die Lehrkraft oder die Beratungslehrkraft der Schule, danach die schulpsychologische Beratung des Landes.

Quellen

  1. BehördeClever lernen und Hausaufgaben bewältigen · Vorbereitung auf Prüfungen · Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Staatliche Schulberatungsstelle für Schwaben · Stand 8.1.2025
  2. BehördeHausaufgaben mit Rückenwind – so können Eltern begleiten · Zeitplanung: Pausen, Reihenfolge, Lernplan · Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Staatliche Schulberatung · Stand 27.5.2025
  3. FachgesellschaftUnderstanding effort regulation: Comparing ‚Pomodoro‘ breaks and self-regulated breaks · British Journal of Educational Psychology · Biwer, Wiradhany, Oude Egbrink, de Bruin, Universität Maastricht · abgerufen 2.10.2026
  4. FachgesellschaftThe effectiveness of the loci method as a mnemonic device: Meta-analysis · Twomey, Kroneisen, Quarterly Journal of Experimental Psychology · abgerufen 2.10.2026
  5. FachgesellschaftMnemonic training reshapes brain networks to support superior memory · Dresler u. a., Neuron · abgerufen 2.10.2026
  6. FachgesellschaftTest-Enhanced Learning: Taking Memory Tests Improves Long-Term Retention · Roediger, Karpicke, Psychological Science · abgerufen 2.10.2026
  7. FachgesellschaftSpacing effects in learning: A temporal ridgeline of optimal retention · Cepeda, Vul, Rohrer, Wixted, Pashler, Psychological Science · abgerufen 2.10.2026
  8. BehördeMaterialband für den Übergang Grundschule – Sekundarbereich I: Englisch · Wortschatz strukturieren und speichern · Niedersächsisches Kultusministerium · abgerufen 2.10.2026

Aktualisiert am 5.10.2026 · Geprüft am 2.10.2026 · Elternweiser

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