Nikolaus am 6. Dezember: Brauch, Stiefel und Gedichte

Kurzantwort

Nikolaus ist am 6. Dezember, dem Gedenktag des heiligen Nikolaus von Myra. Am Abend davor stellen Kinder ihre geputzten Stiefel vor die Tür, über Nacht füllt der Nikolaus sie mit Nüssen, Obst und Süßem. Ein gesetzlicher Feiertag ist der Nikolaustag in keinem Bundesland.

Wann ist Nikolaus?

Der Nikolaustag ist jedes Jahr am 6. Dezember. Gefeiert wird schon am Vorabend: Am 5. Dezember stellen Kinder ihre Stiefel oder Schuhe vor die Tür, am Morgen des 6. Dezember sind sie gefüllt. Der 6. Dezember gilt als Todestag des Bischofs Nikolaus. Die katholische, die evangelische, die anglikanische und die orthodoxe Kirche feiern an diesem Tag seinen Gedenktag.

Ein gesetzlicher Feiertag ist der Nikolaustag nicht, Schule und Kita sind normal geöffnet. Welche Tage im Dezember Feiertage sind, steht unter Feiertage in allen Bundesländern. Fällt der 6. Dezember auf einen Sonntag, ist er zugleich der 2. Advent; alle Adventstermine stehen unter Advent.

Wer war Nikolaus von Myra?

Nikolaus war Bischof von Myra in Lykien, einer Stadt an der Südküste der heutigen Türkei; heute heißt der Ort Demre. Geboren wurde er in Patara, gelebt hat er etwa vom Ende des 3. bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts. Gesicherte Nachrichten über sein Leben gibt es kaum. Schon früh vermischte sich seine Geschichte mit der eines zweiten Nikolaus, des Abts Nikolaus von Sion aus dem 6. Jahrhundert.

Im Jahr 1087 brachten italienische Kaufleute seine Gebeine nach Bari in Süditalien. Dort liegen sie bis heute in der Basilika San Nicola.

Warum der Nikolaus Geschenke bringt

Die bekannteste Legende erzählt von einem verarmten Vater mit drei Töchtern. Ohne Mitgift konnte er sie nicht verheiraten, und ihnen drohte ein Leben in Not. Nikolaus warf heimlich in der Nacht drei Beutel mit Gold durch das Fenster des Hauses. Daher kommt der Brauch, Kinder nachts zu beschenken.

Nikolaus gilt als Patron der Kinder und Schüler, außerdem der Seefahrer, Kaufleute und Gefangenen. Dass Kinder am Nikolaustag beschenkt werden, ist seit etwa 1500 belegt.

Nikolausstiefel: Brauch und was hineinkommt

Der Nikolausbrauch hat zwei Formen. Beim Einlegebrauch stellen Kinder am Abend des 5. Dezember ihre geputzten Stiefel vor die Tür, und über Nacht werden sie gefüllt. Beim Einkehrbrauch kommt der Nikolaus selbst ins Haus, oft mit einem Begleiter. Diese Form ist etwa seit der Mitte des 17. Jahrhunderts belegt.

In den Nikolausstiefel kommen traditionell Nüsse, Äpfel, Mandarinen und Weihnachtsgebäck, heute auch Süßigkeiten, ein Schokoladen-Nikolaus und kleine Geschenke.

Ganze Nüsse gehören nicht in die Reichweite kleiner Kinder. Wegen ihrer Form, ihrer geringen Größe und ihrer öligen Oberfläche gelangen sie leichter in die Atemwege als andere Lebensmittel. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät, Nüsse nur in ruhigen Essenssituationen und unter Aufsicht zu essen. Für kleine Kinder sind Obst und Gebäck im Stiefel die bessere Wahl.

Knecht Ruprecht

In Nord- und Mitteldeutschland begleitet vor allem Knecht Ruprecht den Nikolaus. Er ist die dunkle Gegenfigur zum gütigen Bischof. Sein Name wird von „rûhperht“ abgeleitet, der „rauen Percht“. Im Rheinland heißt der Begleiter Hans Muff, daneben gibt es weitere Namen wie Belsnickel oder Pelzmärtel.

Das bekannteste Gedicht über ihn ist „Knecht Ruprecht“ von Theodor Storm, das mit „Von drauß’ vom Walde komm ich her“ beginnt. Darin trägt er ein Säcklein mit Äpfeln, Nüssen und Mandelkernen und eine Rute bei sich. Bei Storm ist Knecht Ruprecht allerdings im Auftrag des Christkinds unterwegs, nicht des Nikolaus. Den vollen Wortlaut gibt es unter Weihnachtsgedichte.

Krampus

Im Alpenraum, vor allem in Österreich und Bayern, kommt mit dem Nikolaus der Krampus. Er ist eine Schreckgestalt mit Teufels- oder Tiermaske und gehört in Österreich fest zum Nikolausbrauch. Die großen Krampus- und Perchtenläufe, wie es sie heute gibt, sind erst im 20. Jahrhundert entstanden.

Nikolaus, Weihnachtsmann und Christkind

Bis zur Reformation brachte vor allem der Nikolaus die Geschenke. Martin Luther lehnte die Verehrung der Heiligen ab und verlegte die Bescherung auf Weihnachten. Mit der Reformation setzte sich der „Heilige Christ“, das Christkind, als Gabenbringer durch. Ganz verdrängt hat es den Nikolaus aber nicht: Luther selbst nannte noch beide nebeneinander.

Der Weihnachtsmann geht auf die Legenden und Bilder des heiligen Nikolaus zurück. Als ein früher Vorläufer gilt der „Herr Winter“, den Moritz von Schwind 1847 zeichnete. Sein heutiges Aussehen prägten amerikanische Zeichnungen des 19. Jahrhunderts und ab 1931 die Werbung von Coca-Cola. Erfunden hat ihn die Firma nicht.

Aus kirchlicher Sicht sind Nikolaus und Weihnachtsmann zwei verschiedene Figuren: Der Nikolaus ist ein Bischof mit Mitra und Stab, der Weihnachtsmann hat mit ihm nichts zu tun. Traditionell bringt in West- und Süddeutschland eher das Christkind die Geschenke, in Nord-, Mittel- und Ostdeutschland eher der Weihnachtsmann. Diese Einteilung stammt aus volkskundlichen Erhebungen der 1970er-Jahre.

Gibt es den Weihnachtsmann?

Den Nikolaus hat es als Bischof von Myra gegeben, den Weihnachtsmann als Person nicht. Etwa ab dem Grundschulalter beginnen Kinder, ihn zu hinterfragen. Die Psychologin Svenja Lüthge hält es für „völlig okay“, Kindern die Wahrheit zum richtigen Zeitpunkt zu sagen. Wann dieser Zeitpunkt ist, hängt vom einzelnen Kind ab.

Nikolausgedichte und Nikolauslieder

Die meisten bekannten Nikolausgedichte sind alte Kinderverse ohne bekannten Verfasser. Die Verse und Lieder hier stehen im Wortlaut alter Drucke, mit der Schreibweise ihrer Zeit, und dürfen frei verwendet werden.

Kurze Nikolausgedichte

St. Niklas ist ein braver Mann,
Bringt den kleinen Kindern was,
Die großen läßt er laufen,
Die können sich was kaufen.

Heiliger St. Nicolaus,
Komm’ in meines Vaters Haus;
Leg’ mir schöne Sachen ein,
Dann will ich ein bravs Büble (Mädle) sein.

Ach, du lieber Nikolaus,
Komm doch einmal in mein Haus!
Hab so lang an dich gedacht,
Hast mir auch was mitgebracht?

Alle drei Verse nach Franz Magnus Böhme, Deutsches Kinderlied und Kinderspiel, Leipzig 1897; der zweite stammt aus Schwaben, der dritte aus dem Siegerland.

Lasst uns froh und munter sein

Das bekannteste Nikolauslied. Den Text schrieb Heinrich Bone, die Musik Heinrich Oberhoffer. Gedruckt ist es mit zehn Strophen in einer Sammlung über den heiligen Nikolaus aus dem Jahr 1886, mit dem Hinweis, dass Kinder in Luxemburg es zum Nikolaustag in der Schule einübten. Der Wortlaut weicht an einigen Stellen von der heute gesungenen Fassung ab.

1. Laßt uns froh und munter sein
Und uns heut’ im Herrn erfreu’n!
Lustig, lustig, trallerallera!
Nun ist Niklaus Abend da.

2. Gleich ist uns’re Schule aus,
Dann geh’ ich vergnügt nach Haus.
Lustig, lustig …

3. Dort setz’ ich den Teller auf,
Niclas bringt gewiß was d’rauf.
Lustig, lustig …

4. Steht der Teller auf dem Tisch,
Sing’ ich nochmals froh und frisch:
Lustig, lustig …

5. Nun geh’ ich vergnügt zur Ruh’,
Bet’ und schließ’ die Augen zu.
Lustig, lustig …

6. Wenn ich schlaf’, dann träume ich:
Jetzt bringt Niclas was für dich.
Lustig, lustig …

7. Wenn ich aufgestanden bin,
Lauf’ ich schnell zum Teller hin.
Lustig, lustig …

8. O, was hab’ ich Schönes all’,
Vater, Mutter, seht einmal.
Lustig, lustig …

9. Niclas ist ein guter Mann,
Dem ich nicht g’nug danken kann.
Lustig, lustig …

10. Nun will ich recht artig sein,
Gott und Menschen stets erfreu’n.
Lustig, lustig …

Morgen kommt der Weihnachtsmann

Das Lied stammt von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und ist gemeinfrei. In einer Ausgabe seiner Kinderlieder von 1884 wünscht sich das Kind „Trommel, Pfeifen und Gewehr, Fahn’ und Säbel und noch mehr“. Viele heute gesungene Fassungen sind umgedichtet und nennen andere Geschenke.

Theodor Fontane: Verse zum Advent

Bei Fontane kommt der Winter als Knecht Ruprecht. Die Verse stehen in seinem Roman „Unwiederbringlich“ von 1892.

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnee’es Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.

Dürfen die Gedichte frei verwendet werden?

Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers, gerechnet ab dem Ende seines Todesjahres (§ 64 und § 69 Urheberrechtsgesetz). Bei Werken ohne bekannten Verfasser endet der Schutz 70 Jahre nach der Veröffentlichung (§ 66). Die Verse und Lieder auf dieser Seite sind seit mehr als 70 Jahren frei. Viele neuere Nikolausgedichte und -lieder sind dagegen geschützt, etwa die von Rolf Krenzer oder Rolf Zuckowski. Für eine Veröffentlichung brauchst du dort die Erlaubnis der Rechteinhaber, Vorlesen und Singen in der Familie ist erlaubt.

Häufige Fragen

Wann stellt man den Nikolausstiefel raus?

Am Abend des 5. Dezember, dem Vorabend des Nikolaustags. Am Morgen des 6. Dezember ist er gefüllt.

Was kommt in den Nikolausstiefel?

Traditionell Nüsse, Äpfel, Mandarinen und Weihnachtsgebäck, heute auch Süßigkeiten, ein Schokoladen-Nikolaus und kleine Geschenke. Ganze Nüsse sind für kleine Kinder ungeeignet.

Ist Nikolaus ein Feiertag?

Nein, der 6. Dezember ist in keinem Bundesland ein gesetzlicher Feiertag. Schule und Kita sind normal geöffnet.

Was ist der Unterschied zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann?

Der Nikolaus geht auf den Bischof Nikolaus von Myra zurück und kommt am 6. Dezember, mit Mitra und Bischofsstab. Der Weihnachtsmann ist eine spätere Figur, die sich aus den Nikolausbildern entwickelt hat, und bringt die Geschenke an Weihnachten.

Wer bringt die Geschenke, Christkind oder Weihnachtsmann?

Das ist regional verschieden. Traditionell bringt in West- und Süddeutschland eher das Christkind die Geschenke, in Nord-, Mittel- und Ostdeutschland eher der Weihnachtsmann.

Was ist ein kurzes Nikolausgedicht?

Zum Beispiel der alte Kindervers „St. Niklas ist ein braver Mann, bringt den kleinen Kindern was, die großen läßt er laufen, die können sich was kaufen.“ Weitere kurze Verse stehen oben im Abschnitt Nikolausgedichte.

Mehr zu Feste und Bräuche

Wann du dich beraten lassen solltest

  • Ob die Kirchengemeinde einen Nikolausbesuch oder eine Nikolausfeier anbietet: das Pfarramt oder Gemeindebüro vor Ort.
  • Wenn ein Kind große Angst vor Knecht Ruprecht, Krampus oder dem Nikolausbesuch hat und das länger anhält: eine Erziehungsberatungsstelle, die Beratung ist kostenlos, oder die Kinderarztpraxis.

Quellen

  1. Fachgesellschaft Nikolaus: die harten Fakten · katholisch.de, Portal der katholischen Kirche in Deutschland · Stand 5.12.2019
  2. Fachgesellschaft Kein Weihnachtsmann · katholisch.de, Portal der katholischen Kirche in Deutschland · Stand 28.2.2015
  3. Fachgesellschaft Nikolaus · Erzbistum Paderborn · abgerufen 14.10.2026
  4. Fachgesellschaft Nikolaus · Katholische Kirche in Österreich · abgerufen 14.10.2026
  5. Fachgesellschaft Nikolaus von Myra · Ökumenisches Heiligenlexikon · abgerufen 8.10.2026
  6. Behörde Heiliger Nikolaus · Salzburger Landesinstitut für Volkskunde, Land Salzburg · Stand 1.12.2017
  7. Fachgesellschaft Knecht Ruprecht & Co.: die etwas unheimlichen Begleiter · evangelisch.de, Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik · Stand 4.12.2009
  8. Fachgesellschaft Martin Luthers Christkind verdrängte den Nikolaus · evangelisch.de, Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik · Stand 19.12.2024
  9. Fachgesellschaft Psychologin: Wann die Wahrheit über den Weihnachtsmann sinnvoll ist · evangelisch.de, Evangelischer Pressedienst · Stand 18.12.2025
  10. Fachgesellschaft Nikolaus und Weihnachtsmann · Planet Wissen, WDR · abgerufen 8.10.2026
  11. Fachgesellschaft Herr Winter in den Fliegenden Blättern · Universitätsbibliothek Regensburg · abgerufen 8.10.2026
  12. Behörde Erstickungsgefahr von Kleinkindern durch Nüsse (Presseinformation 37/2009) · Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) · Stand 22.12.2009
  13. Fachgesellschaft Franz Magnus Böhme: Deutsches Kinderlied und Kinderspiel, Leipzig 1897 · S. 367 Nr. 1679, S. 368 Nr. 1682, S. 716 Nachtrag Nr. 68 · Internet Archive, Digitalisat · abgerufen 14.10.2026
  14. Fachgesellschaft Eugen Schnell: Sanct Nicolaus, der heilige Bischof und Kinderfreund, Heft 6, Brünn 1886 · S. 171–172 · Bayerische Staatsbibliothek, Digitale Sammlungen · abgerufen 14.10.2026
  15. Fachgesellschaft Hoffmann von Fallersleben: Fünfzig Kinderlieder, Hamburg 1884 · S. 57, Nr. 50 · Internet Archive, Digitalisat · abgerufen 8.10.2026
  16. Fachgesellschaft Theodor Fontane: Verse zum Advent · Wikisource, nach Fontane, Unwiederbringlich, Kap. 22 · abgerufen 14.10.2026
  17. Gesetz Urheberrechtsgesetz: Schutzdauer, anonyme Werke, Berechnung der Fristen · §§ 64, 66, 69 UrhG · Bundesministerium der Justiz · abgerufen 14.10.2026

Aktualisiert am 14.10.2026 · Geprüft am 14.10.2026 · Elternweiser

Unter Zuhilfenahme von KI-Werkzeugen erstellt · So arbeiten wir · Fehler melden