Sprachentwicklung beim Kleinkind

Kurzantwort

Bei der Sprachentwicklung gibt es große Unterschiede: Die meisten Kinder sprechen ihre ersten Wörter zwischen dem ersten Geburtstag und anderthalb Jahren. Mit zwei Jahren sprechen sie in der Regel mindestens 50 Wörter und bilden Sätze aus zwei Wörtern; gelingt das noch nicht, sollte es spätestens bei der nächsten U-Untersuchung zur Sprache kommen.

Sprachentwicklung nach Alter

Wann ein Kind zu sprechen beginnt und wie schnell sein Wortschatz wächst, ist von Kind zu Kind sehr verschieden; Mädchen sind dabei häufig etwas schneller als Jungen. Die Reihenfolge der Schritte ist aber bei allen Kindern ähnlich. Die Tabelle gibt eine grobe Orientierung.

AlterWas die meisten Kinder können
Ende des ersten Lebensjahresversteht Namen bekannter Dinge wie „Ball“ oder „Auto“; manche Kinder sprechen schon ein erstes Wort
1 bis 1½ Jahreerste Wörter, meist „Mama“ und „Papa“; einige Kinder lassen sich bis etwa zweieinhalb Jahre Zeit
20 Monatespricht zwischen etwa 50 und 200 Wörtern
2 JahreSätze aus zwei, dann drei Wörtern („Mama spielen“), erste Artikel, sagt den eigenen Namen und auch mal „Nein“
2 bis 3 Jahreverbindet Sätze mit „und“, bildet einfache Sätze richtig, fragt „Wie?“ und „Warum?“, singt Kinderlieder mit
3 bis 4 Jahreerzählt von Erlebtem, bildet Nebensätze mit „weil“ oder „wenn“, spricht bis auf einige Zischlaute alle Laute
4 bis 6 JahreSprachentwicklung weitgehend abgeschlossen; zum Schulbeginn großer Wortschatz, Haupt- und Nebensätze
Nach den Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Jedes Kind hat sein eigenes Tempo.

Aussprachefehler und Stottern sind oft normal

Bis ein Kind Lippen, Zunge und Kehlkopf sicher steuert, kann es bis zum vierten Lebensjahr dauern. Laute auslassen („schümmen“ statt „schwimmen“), Laute vertauschen, Wörter zusammenziehen („Mane“ statt „Banane“) oder Zischlaute falsch bilden (Kinderlispeln) gehört beim Sprechenlernen dazu. Auch zeitweiliges Stottern ist häufig: Etwa 5 Prozent der Kinder stottern zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr von Zeit zu Zeit, bei den meisten geht es von selbst vorüber.

Mehrsprachig aufwachsen

Kinder können mehrere Sprachen gleichzeitig oder nacheinander lernen, auch schon vor der Schule. In den ersten Lebensjahren eignen sie sich jede Sprache in denselben Entwicklungsschritten an wie einsprachige Kinder; der Wortschatz kann in den Sprachen anfangs unterschiedlich groß sein. Voraussetzung ist, dass dein Kind in jeder Sprache Zuwendung und genug Anregung bekommt.

So unterstützt du die Sprachentwicklung

Beschleunigen lässt sich das Sprechenlernen nicht, aber du hast großen Einfluss darauf. Wichtig ist, was dein Kind sagen will, nicht wie es spricht. Antworte geduldig auf seine Fragen und ergänze ruhig eine Erklärung: Sagt dein Kind „Da kommt ein gelbes Auto“, kannst du antworten „Das ist das Postauto. Es bringt Briefe und Pakete.“ Druck hilft nicht, Freude am Erzählen, Singen und Vorlesen schon.

Bildschirmmedien braucht ein Kind unter drei Jahren nicht: Die nationalen Empfehlungen für Bewegung raten in diesem Alter ganz davon ab. Mehr dazu unter Bildschirmzeit für Kinder.

Wann du die Sprachentwicklung abklären lassen solltest

Spricht dein Kind mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter oder bildet es noch keine Sätze aus zwei Wörtern, kann eine Verzögerung der Sprachentwicklung vorliegen. Gut die Hälfte dieser „Late Talker“ holt bis zum Schulalter von selbst auf. Sprich in der Kinderarztpraxis an, spätestens bei der nächsten U-Untersuchung, wenn dir eines davon auffällt:

  • Sätze aus zwei Wörtern wie „Papa Ball“ gelingen nicht.
  • Statt genauer Wörter sagt dein Kind oft „Dings“, „machen“ oder „gehen“.
  • Grammatikfehler wie „Mama kaufen geht“ oder „die Baume“ halten im dritten Lebensjahr an.
  • Dein Kind versteht nur schwer, was man ihm sagt.
  • Du zweifelst, ob dein Kind gut hört. Eine undeutliche Aussprache kann auch von Hörproblemen kommen.
  • Das Stottern lässt nicht nach.

Von einer Sprachentwicklungsstörung spricht man erst ab dem dritten Lebensjahr. Festgestellt wird sie in der Regel in einer Fachpraxis für Phoniatrie und Pädaudiologie (Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen), behandelt wird sie logopädisch. Je früher sie erkannt wird, desto besser wirkt die Förderung.

Häufige Fragen

Wann sprechen Kinder ihre ersten Wörter?

Die meisten zwischen dem ersten Geburtstag und anderthalb Jahren. Manche sprechen schon mit neun bis zwölf Monaten ihr erstes Wort, einige erst mit etwa zweieinhalb Jahren.

Wie viele Wörter spricht ein Kind mit zwei Jahren?

In der Regel mindestens 50. Spricht es weniger oder noch keine Sätze aus zwei Wörtern, sprich das in der Kinderarztpraxis an.

Lernen mehrsprachige Kinder später sprechen?

Nein. Sie durchlaufen in jeder Sprache dieselben Entwicklungsschritte wie einsprachige Kinder. Der Wortschatz kann in den Sprachen anfangs unterschiedlich groß sein.

Mehr zum Kleinkind

Wann du dich beraten lassen solltest

  • Dein Kind spricht mit zwei Jahren kaum, bildet keine Zweiwortsätze, stottert dauerhaft oder du zweifelst an seinem Hören: die Kinder- und Jugendarztpraxis, spätestens bei der nächsten U-Untersuchung.
  • Die Kinderarztpraxis veranlasst bei Bedarf eine Hörprüfung, eine Untersuchung in einer Fachpraxis für Phoniatrie und Pädaudiologie oder eine logopädische Behandlung.

Quellen

  1. BehördeGrundzüge der Sprachentwicklung · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) · Stand 27.2.2026
  2. BehördeSchwierigkeiten bei der Sprachentwicklung erkennen · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) · Stand 27.3.2026
  3. BehördeKinder in mehrsprachigen Familien · Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) · Stand 26.2.2026
  4. BehördeNationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung · Empfehlungen für Kinder, Bildschirmmedien · Bundesministerium für Gesundheit · abgerufen 22.9.2026

Aktualisiert am 5.10.2026 · Geprüft am 1.10.2026 · Elternweiser

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