Jugendkulturen heute: Liste der Szenen in Deutschland

Kurzantwort

Zu den bekanntesten Jugendkulturen in Deutschland gehören Punk, Gothic, Emo, Metal, Hip-Hop, Techno, Skater, Cosplay, LARP, die Jesus Freaks und die Gaming- und Streaming-Kultur. Nur ein kleiner Teil der Jugendlichen gehört einer Szene fest an, die meisten orientieren sich an einer oder mehreren, ohne sich festzulegen.

Wie viele Jugendliche zu einer Szene gehören

Der Jugendkulturforscher Klaus Farin schätzt in einem Aufsatz für die Bundeszentrale für politische Bildung, dass etwa 20 Prozent der Jugendlichen in Deutschland aktiv zu einer Jugendkultur gehören. Rund 70 Prozent der übrigen orientieren sich daran: Sie hören die Musik einer Szene, gehen zu ihren Partys und Konzerten, legen sich aber nicht fest. Typisch ist der Wechsel, mal Punk, mal Skater, oder beides zugleich.

Die SINUS-Jugendstudie, die die Bundeszentrale für politische Bildung mit herausgibt, stellt fest, dass jugendliche Szenen und ihre Stile weiter an Bedeutung verlieren. Viele Jugendkulturen verschwinden aber nicht, sie werden kleiner und mischen sich mit anderen.

Welche Jugendkulturen gibt es heute?

JugendkulturEntstandenWoran man sie erkennt
PunkMitte der Siebzigerjahre in Großbritannien, bald danach in Deutschlandlaute, schnelle Musik, provokantes Auftreten, Kritik an der Gesellschaft
Gothicum 1980 als ruhigere Abspaltung des Punkdunkle Musik und Kleidung, Melancholie, Ästhetik des Vergänglichen
EmoMitte der Achtzigerjahre als Abspaltung der Hardcore-SzeneMusik über Gefühle, Freundschaft, dunkle Kleidung mit bunten Akzenten
MetalHeavy Metal seit den Siebzigerjahrenharte Gitarrenmusik, viele Spielarten wie Black oder Thrash Metal, große Festivals
Hip-HopAnfang der Siebzigerjahre in der New Yorker BronxRap, DJing, Breakdance und Graffiti
TechnoEnde der Achtzigerjahre, Vorläufer Houseelektronische Musik, Partys und Raves
SkaterEnde der Fünfzigerjahre in Kalifornien, aus der Surfer-SzeneSkateboard, bequeme Streetwear, eigene Musik
Cosplayaus der japanischen Manga- und Anime-KulturKostüme von Figuren aus Manga, Anime und Spielen, oft selbst genäht
LARPLive-RollenspielRollenspiel in Kostüm, oft in Fantasy- oder Mittelalterwelten
Jesus FreaksAnfang der Neunzigerjahre in Hamburgchristlicher Glaube verbunden mit Punk, Metal und anderen Szenen
Gaming und Streamingmit Computer- und Videospielen gewachsengemeinsames Spielen, Streams, Communitys

Punk

Punk entstand Mitte der Siebzigerjahre in Großbritannien und kam gegen Ende des Jahrzehnts nach Deutschland. Die Szene ist klein, hat aber viele andere geprägt, etwa Gothic und Hardcore. Typisch sind schnelle, laute Musik, selbst gestaltete Kleidung und eine kritische Haltung zu Konsum und Gesellschaft.

Gothic

Die Gothic-Szene, früher auch Grufties oder Dark Waver genannt, entstand um 1980 als ruhigere, nachdenkliche Stilvariante des Punk. Musik und Ästhetik stehen im Mittelpunkt: dunkle Kleidung, eine Vorliebe für das Melancholische und Vergängliche. Frühe Bands waren The Cure und Siouxsie and the Banshees. Jedes Jahr zu Pfingsten trifft sich die Szene zum Wave-Gotik-Treffen in Leipzig.

Emo

Emo gilt oft als junge Szene, entstand aber schon Mitte der Achtzigerjahre als Abspaltung der Hardcore-Szene; bekannte Bands der Anfangszeit sind Rites of Spring und Fugazi. Emos zeigen offen ihre Gefühle, Freundschaft ist ihnen wichtig. Die Kleidung ist meist dunkel, oft mit Buttons, Karomustern und einem langen Pony.

Metal

Heavy-Metal-Fans gibt es seit den Siebzigerjahren. Heute zerfällt die Szene in viele Spielarten, von Black Metal bis Thrash Metal. Zusammen kommen Metal-Fans vor allem auf Konzerten und Festivals. Typisch sind lange Haare, dunkle Kleidung und Band-Shirts. Viele Fans verstehen die Szene als Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig unterstützt; so beschreibt es etwa der Verein Metality e.V., der Metal-Fans weltweit vernetzen will.

Hip-Hop

Hip-Hop entstand Anfang der Siebzigerjahre in der New Yorker Bronx und ist der Oberbegriff für Rap, DJing, Breakdance und Graffiti. Er gilt als größte Jugendkultur weltweit und hat Anhänger in allen Schichten. Zum Stil gehören weite Kleidung und Baseballkappen; beim Freestyle-Battle treten Rapper mit Worten gegeneinander an. Sprayer brauchen für Graffiti die Erlaubnis des Eigentümers, viele Städte bieten legale Flächen an.

Techno

Techno entstand Ende der Achtzigerjahre; die erste Love Parade zog 1989 mit rund 150 Menschen über den Berliner Kurfürstendamm. In den Neunzigerjahren war Techno die größte Jugendkultur in Deutschland, mit Millionen Anhängern. Im Mittelpunkt stehen elektronische Musik, DJs und lange Partys; die Szene hat sich in viele Stile aufgeteilt.

Skater

Die Skater-Szene geht auf die Surfer in Kalifornien zurück, wo Ende der Fünfzigerjahre die ersten Skateboards auftauchten. Sie ist eine Sportkultur, in der Musik und Kleidung trotzdem eine große Rolle spielen. Wer dazugehören will, muss selbst fahren.

Cosplay

Cosplay kommt aus der japanischen Manga- und Anime-Kultur. Cosplayer stellen Figuren aus Manga, Anime, Filmen oder Spielen mit Kostüm und Auftreten nach und nähen oder bauen ihre Kostüme oft selbst. Treffpunkte sind Conventions und Messen. Der größte deutschsprachige Verein der Szene ist nach eigener Angabe der gemeinnützige Animexx e.V.; er richtet mit anderen die Deutsche Cosplaymeisterschaft aus und veranstaltet die Connichi in Wiesbaden.

LARP

LARP steht für Live Action Role Playing, auf Deutsch Live-Rollenspiel. Die Gesellschaft für Live-Rollenspiel e.V. beschreibt es als Form des Improvisationstheaters, bei der alle zugleich Darsteller und Zuschauer sind. Die Spieler schlüpfen für ein Wochenende oder länger in eine Rolle, meist in einer Fantasy- oder Mittelalterwelt, mit Kostüm und gepolsterten Waffen. Kostüme und Ausrüstung sind oft selbst gemacht.

Jesus Freaks

Die Jesus Freaks sind nach eigener Darstellung Anfang der Neunzigerjahre in Hamburg entstanden. Sie verbinden christlichen Glauben mit dem Stil anderer Szenen, etwa Punk oder Metal. Man kann gleichzeitig Punk und Jesus Freak sein.

Gaming- und Streaming-Kultur

Digitale Spiele gehören für die meisten Jugendlichen zum Alltag: Laut der aktuellen JIM-Studie spielen 71 Prozent der 12- bis 19-Jährigen regelmäßig, Jungen deutlich häufiger als Mädchen. Drei Viertel nutzen regelmäßig YouTube. Um Spiele und Streams sind eigene Communitys entstanden, in denen Jugendliche zuschauen, mitreden und selbst Inhalte machen. Wie viel Bildschirmzeit empfohlen wird, steht unter Bildschirmzeit für Kinder.

Jugendbewegungen und Jugendgruppen

Die ersten Jugendbewegungen entstanden vor mehr als hundert Jahren. Am 4. November 1901 gründeten Eltern, ehemalige Schüler und Lehrer des Steglitzer Gymnasiums bei Berlin den Wandervogel, einen Verein für Schülerfahrten: wandern, draußen übernachten, einfach leben in der Natur. Daraus wurde die erste große Jugendbewegung in Deutschland. Bald folgten die Pfadfinder; christliche Jugendvereine wie der CVJM gab es schon im 19. Jahrhundert. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen mit Halbstarken, Beat und Hippies die ersten Jugendkulturen, die sich vor allem über Musik und Mode abgrenzten.

Mode und Stil

Kleidung ist für Jugendkulturen ein Erkennungszeichen: Wer dazugehört, zeigt es mit Musik, Mode und Gesten. Seit den Neunzigerjahren mischen sich die Stile immer mehr. Viele Jugendliche kombinieren Elemente mehrerer Szenen und wollen vor allem ihren eigenen Stil finden. Am Äußeren lässt sich deshalb oft nicht mehr ablesen, wie jemand denkt.

Was Eltern wissen sollten

Eine Jugendkultur ist kein Problem an sich. Szenen bieten Jugendlichen Freunde, Halt und Raum, kreativ zu sein, etwa beim Musikmachen, Nähen oder Sprayen. Wer wissen will, was hinter Outfit und Musik steckt, fragt am besten das Kind selbst. Wechselt das Kind die Szene, ist das normal.

Anders ist es bei extremistischen Gruppen. Hast du den Eindruck, dass dein Kind in rechtsextreme, linksextreme oder islamistische Kreise gerät, hol dir früh Rat, siehe unten.

Häufige Fragen

Welche Jugendkulturen gibt es heute?

Zu den bekanntesten gehören Punk, Gothic, Emo, Metal, Hip-Hop, Techno, Skater, Cosplay, LARP, die Jesus Freaks und die Gaming- und Streaming-Kultur.

Wie viele Jugendliche gehören einer Jugendkultur an?

Nach Schätzung des Jugendkulturforschers Klaus Farin gehören etwa 20 Prozent aktiv zu einer Szene. Die meisten anderen orientieren sich an einer oder mehreren, ohne sich festzulegen.

Was war die erste Jugendbewegung in Deutschland?

Als erste gilt der Wandervogel, gegründet 1901 in Berlin-Steglitz.

Mehr zu Jugendlichen

Wann du dich beraten lassen solltest

  • Streit über Aussehen, Musik oder Freunde belastet die Familie: eine Erziehungsberatungsstelle, meist beim Jugendamt oder bei einem freien Träger, oder das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer (0800 111 0 550, kostenlos).
  • Du sorgst dich, dass dein Kind in islamistische Kreise gerät: die Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (0911 943 43 43).
  • Du sorgst dich wegen Rechtsextremismus: eine Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in deinem Land.

Quellen

  1. BehördeJugendkulturen heute – Essay (Klaus Farin), Aus Politik und Zeitgeschichte 27/2010 · Abschnitte „Den Mainstream prägende Minderheiten“ und „Unübersichtliche Vielfalt“ · Bundeszentrale für politische Bildung · Stand 25.6.2010
  2. BehördeJugendkulturen in Deutschland · Kapitel Punk, Gothics, Techno, HipHop · Bundeszentrale für politische Bildung · Stand 25.2.2010
  3. BehördeSINUS-Jugendstudie 2024: Wie ticken Jugendliche? · Bundeszentrale für politische Bildung · Stand 12.6.2024
  4. StatistikJIM-Studie 2025: Jugend, Information, Medien · S. 42, S. 51 · Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest · Stand 1.11.2025
  5. BehördeDie Gründung des Wandervogels 1901 · Deutsches Historisches Museum, LeMO · abgerufen 30.9.2026
  6. BehördeWave-Gotik-Treffen · Stadt Leipzig · abgerufen 30.9.2026
  7. FachgesellschaftAnimexx e.V. – der Verein · Animexx e.V. · abgerufen 30.9.2026
  8. FachgesellschaftLeitbild · Gesellschaft für Live-Rollenspiel e.V. (GfLR) · abgerufen 30.9.2026
  9. FachgesellschaftMetality e.V. · Metality e.V. · abgerufen 30.9.2026

Aktualisiert am 5.10.2026 · Geprüft am 30.9.2026 · Elternweiser

Unter Zuhilfenahme von KI-Werkzeugen erstellt · So arbeiten wir · Fehler melden